"Konfliktlotsen" als Baustein der gesunden Schule

an der Schule: Heinrich-Rantzau-Schule

Projektinfos

I „Wir sind aktiv" Die Arbeit der Konfliktlotsen findet seit dem Schuljahr 2009/2010 an der Heinrich-Rantzau-Schule statt. Im Rahmen einer Projektwoche wurde das Projekt „Konfliktlotsenausbildung“ angeboten. Die dort ausgebildeten Konfliktlotsen arbeiteten im Schuljahr 2010/2011 weiter. Zu Beginn des Schuljahres 2011/2012 konnten sich neue Kinder für die Konfliktlotsenausbildung schriftlich bewerben (> Castingbogen). Bewerbungsberechtigt waren Kinder der 3. und 4. Klassen und Kinder im 3. Schulbesuchsjahr mit besonderen sozialen Kompetenzen. Aus 53 Bewerbungen wurden 20 Kinder ausgewählt. Im September 2011 fand eine zweitägige Ausbildung in der Kinder- und Jugendakademie Bad Segeberg mit Frau Gebel (Lehrkraft der Heinrich-Rantzau-Schule), Frau Winkler (Schulsozialpädagogin an der Heinrich-Rantzau-Schule) und Herrn Lindemann (Jugendbildungsbeauftragter) statt. Im Oktober  2011 nahmen die ausgebildeten Konfliktlotsen am Landestreffen für Konfliktlotsen teil. Im Schuljahr 2012/13 werden weiterhin die neuen Konfliktlotsen in der Jugendakademie mit Frau Ketelsen(Lehrkraft der Heinrich-Rantzau-Schule), Frau Winkler (Schulsozialpädagogin an der Heinrich-Rantzau-Schule) und Herrn Lindemann (Jugendbildungsbeauftragter)an zwei Tagen ausgebildet. Beschreibung des Tätigkeitsfeldes: Eine wechselnde Gruppe der Konfliktlotsen ist täglich in der ersten Pause im Streitschlichterraum präsent. Kinder, die die Streitschlichtung nutzen wollen, lassen sich dort einen Termin geben. Die Konfliktlosten führen selbständig einen Terminkalender, vergeben schriftlich Termine (> Laufzettel) und sorgen für die Einhaltung der Termine. Die Konfliktlotsen führen das Gespräch eigenständig mit Hilfe eines Gesprächleitfadens (> Handbuch) und protokollieren Inhalt und Vereinbarungen des Gesprächs (>Konfliktlotsen-Protokoll). Frau Gebel (bis Februar 2013, Frau Ketelsen (ab Februar 2013) oder Frau Winkler sind während der Sitzungen anwesend, um ggf. zu unterstützen. Abschließend vergeben die Konfliktlotsen einen Folgetermin, um die Einhaltung der Vereinbarungen zu überprüfen. Im Schuljahr 2011/12 fand zweiwöchentlich findet ein Gruppentreffen aller Konfliktlotsen mit Frau Gebel  statt (zur Klärung organisatorischer Dinge, zur Stärkung der Gruppengemeinschaft, zur Supervision, zur Entwicklung eines „Ehrenkodexes“). Seit Februar 2013 findet dieses Gruppentreffen wöchentlich unter der Leitung von Frau Ketelsen statt. Neu hinzugekommene Konfliktlosten beginnen nach der zweitägigen Ausbildung sofort mit ihrer Tätigkeit in Form des Praktikantenmodells: Erfahrene Konfliktlotsen lassen hospitieren, leiten an, unterstützen. Die Konfliktlotsen haben die Möglichkeit, bei einer Mediation durch Erwachsene zu hospitieren (nach Einverständnis der Beteiligten). Nach der Mediation findet dann eine Analyse der Gesprächstechnik statt. Die Arbeit als Konfliktlotse wird im Zeugnis verbal gewürdigt. II „Wir arbeiten im Netzwerk" Der Baustein „Konfliktlotsen“ ist eingebettet in das Erziehungskonzept der Schule mit dem Grundsatz: Jedes Kind hat ein Recht darauf, sich wohl zu fühlen. Seit 2009/10 gibt es an der Schule ein einheitliches Erziehungskonzept mit verbindlichen Regeln für alle Schüler (> Regeltabelle). Die Regeln wurden auf der Schulkonferenz beschlossen. Neue Lehrkräfte müssen sich verpflichten, nach diesem Erziehungskonzept zu arbeiten. Sie erhalten eine umfassende Einführung, Hospitationen in einer Klasse und Training. Alle Lehrkräfte haben die Möglichkeit der kollegialen Unterrichtshospitation. Um die Nachhaltigkeit zu sichern, gibt es eine Nachhaltigkeitsbeauftragte. Diese Lehrkraft leitet den Tagesordnungspunkt „Konfliktkultur“, der Bestandteil jeder monatlich stattfindenden Lehrerkonferenz ist. Die Regeltabelle wird so regelmäßig evaluiert und ggf. angepasst. Bestandteil der Klassenregeln ist die „Tigerregel“ (> Plakat). Die Kinder erlernen den „Tigerblick“, trainieren die 3-Schritt-Methode zur gewaltfreien Kommunikation und erfahren die „Konfliktlotsen“ als Hilfeangebot. Es besteht das Angebot für alle Klassen, einen oder mehrere Vormittage gemeinsam mit der Klassenlehrerin und Frau Gebel gewaltpräventiv zu arbeiten (Menschenrechte, Tigerregel…). Wenn Kinder nicht gewillt oder nicht fähig sind, die Mediation durch die Konfliktlotsen anzunehmen, erfolgt bei beidseitig verursachten Konflikten eine Mediation durch die Lehrkraft oder die Schulsozialarbeiterin. Diese Mediationen werden protokolliert und einem Ordner im Schulbüro abgelegt (> Mediationsprotokoll). Bei einseitig verursachten Konflikten folgt ein Täter-Opfer-Ausgleich durch eine (fortgebildete) Lehrkraft. Diese Wiedergutmachungsverfahren werden protokolliert und einem Ordner im Schulbüro abgelegt (> TOA-Protokoll). Weiterhin gibt es klare Absprachen und Vorgehensweisen bei Verdacht auf Mobbing (> Krisenleitfaden für Lehrkräfte der Heinrich-Rantzau-Schule). Bei Bedarf wird mit der betreffenden Klasse eine Mobbingintervention durchgeführt. Schulsozialarbeit ist fest in das Erziehungskonzept integriert. Der „Inselraum“ ist ein Ort des „Vertrauens und der Geborgenheit“, der von den Schülerinnen und Schülern der Heinrich-Rantzau-Schule eigenständig zur Konfliktlösung, bei Gesprächsbedarf und Entspannung aufgesucht wird. Die Schulsozialarbeiterin ist Bindeglied zu außerschulischen Beratungsstellen (Jugendamt, Erziehungsberatungsstelle…), berät Eltern in Schule und bei Hausbesuchen und berät Lehrkräfte. Die Eltern wurden in die Entwicklung des Erziehungskonzepts einbezogen und informiert. Im Schuljahr 2009/10 wurde für alle Eltern ein Infoabend mit dem Psychologen Thomas Grüner angeboten. Eine Broschüre zum „Erziehungskonzept der HRS“ wurde erstellt und allen Eltern ausgeteilt. Seitdem erhalten alle neuen Eltern zum Schulanfang ihres Kindes diese stetig überarbeitete Broschüre (> Elternbroschüre). Zu Beginn des Schuljahres 2010/11 fand ein Infoabend für alle „Schulanfängereltern“ zum Thema „Erziehungskonzept“ statt. Im Schuljahr 2011/12 fand ein ausführlicher Infoabend für alle Klassenelternbeiratsvorsitzenden zum Thema „Erziehungskonzept: Konfliktlotsen und Mobbing“ statt. Im Schuljahr 2012/13 fand ein ausführlicher Infoabend für alle Klassenelternbeiratsvorsitzenden zum Thema „Schule-Elternhaus Kooperation - das Potential in der Familie stärken“ statt. Seit 5 Jahren lädt die Schulleiterin einmal monatlich zur Gesprächsrunde aller Schulelternbeiratsmitglieder ein, hier werden Fragen zum Erziehungskonzept erläutert. Seit 5 Jahren lädt die Schulleitung einmal monatlich zur Kinderkonferenz aller Klassensprecherinnen und Klassensprecher der 3. und 4 Klassen ein. Hier werden Inhalte des Erziehungskonzepts mit den Kindern besprochen. III „Wir setzen Impulse" Das Erziehungskonzept ist im Schulprogramm verankert als fester Bestandteil des Schulprofils „gesunde Schule“. Es wird regelmäßig evaluiert. Seit April 2011 ist die Heinrich-Rantzau-Schule als „gesunde Schule“ durch die Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Schleswig-Holstein zertifiziert. Die Schulleiterin führt als Auditorin Zertifizierungsverfahren an anderen Schulen durch, die sich für das Zertifikat „gesunde Schule“ bewerben. Eine enge Zusammenarbeit besteht seit vielen Jahren mit der ATS (ambulante und teilstationäre Suchtprävention. Seit 2 Jahren bietet die ATS in Zusammenabreit mit KOSS Elternseminare zur Erziehung an der Heinrich-Rantzau-Schule an. Verschiedene Schulen und verschiedene Schulsozialarbeiter haben bisher bei uns hospitiert, um Einblicke in unser Erziehungskonzept zu erhalten.Von Februar bis Mai 2010 fand an der Heinrich-Rantzau-Schule unter Leitung unserer Kollegin Frau Gebel das IQSH-Modul „Konfliktkultur in Schleswig-Holstein“ statt. Frau Gebel ist Mitglied der Lenkungsgruppe „Mediation in Schleswig-Holstein“ und Multiplikatorin für Konfliktkultur. Sie bietet die Durchführung von Schulentwicklungstagen an anderen Schulen und Fortbildungen für Lehrkräfte anderer Schulen an. Unsere Schulsozialarbeitern Frau Winkler ist Mitglied der Vernetzung Schulsozialarbeit auf Kreis- und Landesebene. Sie nimmt an jährlichen Fachtagen für Schulsozialarbeit und Mediation teil und wird im Mai 2012 das Projekt „Konfliktlotsen“ im Rahmen einer Projektwoche an einer anderen Segeberger Grundschule durchführen. In Kooperation mit „Ergon“, dem Ausbildungszentrum für Ergotherapie in Bad Segeberg, führen angehende ErgotherapeutInnen bei uns ein vierteljährliches Praktikum durch (bisher 4 Praktika). Im Februar 2013 stellte die Schulleiterin das Konzept der Heinrich-Rantzau-Schule auf dem Fachtag "Gesunde Schule" in Kiel vor.

Startdatum: 17.05.2010

Themenkreise

Gesundheit , Mitbestimmen - Mitgestalten

Zielsetzung

Intention: Die Heinrich-Rantzau-Schule ist als gesunde Schule zertifiziert. Gesundheit wird danach in einer gesunden Schule als eine geistige, körperliche und seelische Balance des Wohlbefindens verstanden. Studien zeigen, dass Kinder, die gerne zur Schule gehen und sich dort wohl fühlen, besser lernen. Positives Wohlbefinden in der Schule fördert also die Leistungsmotivation und mindert störendes Verhalten. Eine veränderte Kindheit, die geprägt ist durch veränderte Familienstrukturen, Medienflut, Konfrontation mit Erwachsenenproblemen wie Armut, Arbeitslosigkeit, Gewalt führt zu seelischen Problemen und damit zu Verhaltensproblemen, Verhaltensauffälligkeiten, Verhaltensstörungen auch schon in der Grundschule. Mit Hilfe der Mediation lernen die Schüler • sich an Gesprächsregeln zu halten und konstruktiv zu streiten, • über (verletzte) Gefühle und Bedürfnisse zu reden, • sich in andere hineinzuversetzen (Perspektivenübernahme und Einfühlungsvermögen) und andere Sichtweisen zu respektieren, • die Hintergründe und Ursachen eines Konflikts besser zu verstehen, • konstruktiv mit Wut und Ärger umzugehen und ihre Impulse besser zu kontrollieren, • Wünsche zu äußern, Friedensangebote zu machen und fair zu verhandeln, • Kompromisse zu finden und Abmachungen einzuhalten. Mit Hilfe der Mediation lernen die Konfliktlotsen • sich für die Gemeinschaft zu engagieren • Empathie • Gesprächstechniken

Finanzierung

Förderverein der Heinrich-Rantzau-Schule e.V.

Erfolge

Die Konfliktlotsen verzichten freiwillig auf ihre Pausenfreizeit. Sie führen ihre Aufgabe zuverlässig und sehr ernsthaft aus und tragen damit wesentlich zum Gelingen von Schule bei. Wir sind tief beindruckt von unseren Kindern und möchten auf diesem Wege ihre Arbeit würdigen. Unsere Schülerinnen und Schüler nutzen das Angebot der Streitschlichtung durch die Konfliktlotsen selbständig. Lehrkräfte berichten von Entlastung. Hospitationen bei den Streitschlichtungen zeigen, dass auch verhaltensauffällige Kinder sich ernsthaft auf die Konfliktlotsen einlassen.

Hindernisse, Risiken

Die Vernetzung mit der Arbeit der Schulsozialarbeiterin sind durch die geringe Zahl der Präsenzstunden an der Schule (8 Schulstunden pro Woche)Grenzen gesetzt. Für das Schuljahr 2013/14 sind weitere Stunden Schulsozialarbeit an der Heinrich-Rantzau-Schule bewilligt worden.

Ideen zur Ausweitung

Geplant sind Hospitationen unserer Konfliktlotsen an anderen (weiter führenden) Schulen. Eine engere Vernetzung mit der Schulsozialarbeit ist aus unserer Sicht wichtig.

Heinrich-Rantzau-Schule
Schillerstraße 17, 23795 Bad Segeberg
Landkreis: Segeberg
Telefon: 04551 / 961 70
E-Mail: Heinrich-Rantzau-Schule.Bad-Segeberg@schule.landsh.de
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